Unsere Reise zum Mittelpunkt der Erde....
Am Sonntag, 16. Sep 2012

Unsere Reise führt uns nun nach Snaefellsnes, der Halbinsel direkt über Reykjavik. Viele der Isländer, die wir auf unserer Reise getroffen haben, sagten uns, dass Snaefellsnes (neben den Westfjorden) zweifellos die schönste Gegend Islands sei… und das wollten wir nur wirklich nicht verpassen…
…wobei man sagen muss, dass viele Isländer auch der Meinung sind, dass man in Städten wie Akureyri unbedingt eine Woche verbringen muss, Orte wie Vik hingegen seien locker in einem einzigen Tag zu besichtigen, da es dort ja „nichts“ gebe. Wir haben in Vik 4 Tage und in Akureyri nur eine Nacht verbracht. Soviel dazu. ;-)
Wir leisten uns also das Busticket nach Snaefellsnes, in der Hoffnung, den Rückweg nach Reykjavik trampen zu können um so den Geldbeutel zu schonen. Unser Busticket endet in Vegamót, einer kleinen Stadt –so zumindest sagt es unsere Islandkarte. Doch vor Ort Stellen wir fest, dass es hier: Eine geschlossene Tankstelle, eine Straßenkreuzung, zwei Laternen, Lavafelder und natürlich -um alles perfekt zu machen- schreckliches Wetter gibt. Also: Daumen raus und hoffen. Wir haben schon nach 10 Minuten Glück. Zwei Isländer laden uns, pitschnass wie wir sind, in ihren Super-Jeep ein und nehmen uns bis Arnarstapi mit, wo es einen Campingplatz gibt. Wie wir am nächsten Tag feststellen können, ist es hier wunderschön! Fantastische Klippen, an denen sich die aufschäumenden Wellen brechen, im Wind segelnde Möwen und ein super Blick vom Zelt aus auf das unendliche Meer…



Dieses Foto hätte die Camera beinahe das Leben gekostet, aber wir hätten nicht damit gerechnet, dass aus diesem Felsloch aufeinmal eine Wasserfontäne schießt... Island halt!



Hier erleben wir leider auch unseren ersten Sturm im Zelt! Nachdem wir uns nach einem sonnigen Tag abends in unsere Schlafsäcke legen und die Augen zumachen, bemerken wir, dass Wind und Regen immer stärker werden. Leider müssen wir auch feststellen, dass der Wind gedreht hat, und aus einer für das Zelt eher ungünstigen Richtung kommt. Wer rechnet schon damit, dass der Wind nicht vom Meer, sondern vom Gletscher runter kommt??? Als der Wind unsere Apsis komplett niederdrückt, entschließen wir uns um halb 3 nachts, mit Sack und Pack ins Sanitärhäuschen des Campingplatzes umzuziehen. Als wir die Tür unseres Zeltes öffnen, um auch die Töpfe einzupacken, die wir nach dem Abendessen rausgestellt haben, damit der Regen sie abwäscht (wir sind ja schließlich im Urlaub ;-) ) müssen wir leider feststellen, dass sie nicht mehr da sind… sie sind spurlos verschwunden. Also ab in die Regensachen und raus in die große, kalte Waschküche, um unsere Töpfe zu suchen... leider erfolglos. Nichtmal in der nächsten Hecke klemmen sie. Mist!!!
Da das Zelt mittlerweile Anstalten macht, abzuheben, ist Eile geboten: Rucksäcke, Innenzelt und Planen möglichst schnell ins Sanitärhäuschen bringen um anschließend bei gefühltem Orkan das Zelt abzubauen, um nicht auch das noch zu verlieren. All das gelingt uns jedoch ziemlich gut und ausgesprochen entspannt. Vielleicht waren wir auch nur zu müde, um panisch zu werden?!?
Nach einer erstaunlich ruhigen Nacht im Sani-häuschen (man hörte nur das Pfeifen des Windes und das damit verbundene Knacken des Daches o.O ) erwachen wir bei strahlend blauem Himmel und unschuldigster Windstille. Da es hier kein anständiges Brot zu kaufen gibt, ist klar: Kein Haferbrei-Frühstück ohne Töpfe! Also: Ab durch die Hecke! Und tatsächlich: In 100 Metern Entfernung finden wie schon nach 5 Minuten den ersten Topf und nach weiteren 5 den Zweiten. Leider sind beide nicht einmal abgewaschen!! Also sowas!!! Trotzdem freuen wir uns sehr über die wiedergefundenen Töpfe, damit sie uns auch weiterhin gute Dienste leisten können (DANKE OMA!!!).


Nach einer Wanderung in diese Felsspalte, die ein Wasserfall 80 Meter tief in den Berg gegraben hat, ziehen wir weiter.
Es geht zu Fuß die wunderschöne Südküste entlang in Richtung Westspitze.




Wir finden ein wundervolles Plätzchen mit allem, was wir brauchen: Windschutz für das Zelt, egal wie stark, oder aus welcher Richtung er kommt, ein kleiner Gletscherbach, der uns mit Wasser versorgt und viele leckere Beeren um uns herum.

Dort bleiben wir über Nacht und wachen am nächsten Morgen bei Regen auf. Da wir viel Zeit haben, beschließen wir, auf schönes Wetter zu warten. Beim Erkunden der Gegend, stoßen wir auf dieses faszinierende „Haus“.
Macro:
Da uns laut Karte bei unserem nächsten Zeltplatz kein Wasser zur Verfügung steht, schleppen wir als Verpflegung für den nächsten Tag mit. Nachdem wir dieses an einem weiteren schönen Platz fast verbraucht haben, ziehen wir weiter. Da wir auf dem Weg zum anschließenden Zeltplatz drei Flüsse kreuzen müssen, machen wir uns keine Sorgen mehr ums Trinkwasser. Leider bleibt der erste Fluss aus, somit muss das Mittagessen auf den zweiten Fluss warten. Auch der zweite Fluss stellt sich leider als ausgetrocknetes Bachbett dar. Als wir dann den dritten Fluss erreichen, wird klar, dass wir ein kleines Problem bekommen würden: auch dieser ist ausgetrocknet. Dabei hatte es doch viele Tage lang geregnet!?! Wirklich kein schönes Gefühl, so ganz ohne Wasser...
Also studieren wir das GPS-Gerät, welches uns zeigt: See in 1,7km Entfernung. Nach einem Blick auf unsere Karte bemerken wir, dass sich in der Nähe auch unser geplanter Schlafplatz befindet. Es schien perfekt aufzugehen: Wir schleppen uns 1,7km weiter, können dann jedoch trinken so viel wir wollen und nebenan das Zelt aufbauen, um anschließend zu kochen und erschöpft zu Bett zu gehen. Schön wärs gewesen. Innerhalb von 30 Sekunden fängt es an, wie aus Eimern zu schütten, begleitet von einem Temperatursturz und entsprechend eisigem Wind. Da uns nichts anderes übrigbleibt als weiterzulaufen, tun wir dies. Am Ziel angekommen, stellt sich der See natürlich auch als ausgetrockneter, ehemaliger See dar. Wir erreichen eine Landstraße (in Deutschland nennen wir diese Art von „Straße“: Feldweg), neben der sich, durch den anhalten Regen ein kleiner Bach gebildet hat. Hier können wir unseren Durst stillen. Durch den starken Regen sind wir jedoch so nass und kalt geworden, dass wir am liebsten auf den nächsten Campingplatz wollen, an dem es eine warme Dusche für uns gibt. Also nutzen wir die sehr seltene Chance, dass gerade ein Auto vorbeikommt und halten den Daumen raus. Tatsächlich, sie nehmen uns mit! Aber leider nur bis zur 1,5km entfernten Hauptstraße. Dort steigen wir, nachdem wir erfahren, dass das Wetter schlecht bleiben soll, bei zunehmendem Regen aus und versuchen weiter zu trampen. Jedoch geben wir nach einer halben Stunde auf, da nur ein Betonmischer und ein vollbepackter 2-Sitzer an uns vorbeigefahren sind. Wir sind inzwischen komplett ausgekühlt und laufen die 2 km wieder zurück, um am ursprünglich geplanten Ort unser Zelt aufzustellen. Wenigstens das funktioniert trotz eingefrorener Finger reibungslos. Als wir die letzte Abspannleine des Zeltes anbringen, fährt ein Auto vor und hält neben uns an. Wir nutzen die Chance und fragen, ob sie nicht zufällig zum nächsten Campingplatz fahren.
Diese zwei freundlichen Menschen nehmen uns auf einer gemütlichen Sight-seeing-Tour mit zurück nach Reykjavik. Das enspricht zwar ganz und gar nicht unserer Planung, aber durchgefroren wie wir sind, zögern wir keine Sekunde! Wir genießen das warme, trockene Auto und die Gesellschaft von Uwe und Elke, mit denen wir viele nützliche Piz-tips und Erfahrungen austauschen können. Also landen wir tatsächlich noch an diesem unglaublichen Tag auf dem Campingplatz in Reykjavik und genießen den Luxus einer Küche und warmer Duschen. Doch das Beste sind die Nordlichter, die abends über den Himmel tanzen.
Unsere Reise ist damit nun glücklich beendet.
Vielen, vielen Dank an alle, die uns auf der Reise begegnet sind und uns aus einigen misslichen Situationen geholfen haben. Besonderen Dank auch an den "Quälgeist" der uns drei besonders amüsante Wochen beschert hat.
Vielen Dank natürlich auch an EUCH, die ihr uns auf unserer Reise begleitet habt.
Es war für uns eine unglaublich tolle und erlebnisvolle Reise durch ein absolut traumhaftes und wundervolles Land!
Vielen Dank ISLAND!!!
Viele liebe Grüße

Mira und Malte
